qr-code an grabstein und grabmal

über die entwicklung und die möglichkeiten den grabstein, das grabmal - online zu stellen,
oder :

der qr-code als transmitter zwischen der realen und der virtuellen welt.

der qr-code ist ganz ganz sicher kein 'ort der identität' oder ein inhaltsbewahrendes objekt. ein qr-code ist eine 'maschinenlesbare' codierung, die nun - fast 20 jahre nach ihrer entwicklung in japan - auch hier in deutschland zunehmend verbreitung findet, sei es in der werbung, in zeitschriften - und nun auch auf dem grabstein / grabmal !


qr-codes - was sind eigentlich qr-codes ?

qr- codes wurde 1994 in japan als zweidimensionale barcodes entwickelt. sie sind tatsächlich eine weiterentwicklung der eindimensionalen barcodes - wie wir sie vom täglichen einkauf her kennen - jene strichcodes, die ware auszeichnen und bspw. das einscannen an der kasse ermöglichen. barcodes finden wir auch in verbindung mit der isdn nummer auf büchern und zeitschriften - varianten des klassischen barcodes werden verwendet von paketzustellern und anderen dienstleistern.
diese barcodes (patentiert 1952 in den usa), seit beginn der 70'er in europa als alphanumerische codierung eingeführt, wurden zu beginn der 90'er jahre erweitert. durch die beständige zunahme von informationen wurde der 'lineare barcode' zu lang. auf der suche nach lösungen begann man diese codierten informationen 'zu stapeln' - in folge wurden verschiedene systeme entwickelt - beispielhaft: der codablock als erster 2d barcode.
probleme diese codierten informationen auszulesen, erschwerte die weitere entwicklung und machten diese codes, in folge nur für spezifische anwendungen interessant. (paketdienste / logistik etc. wg. laserscanner)

mit der entwicklung des datamatrix codes 1987, wurden erstmals informationen kompakt als ein muster von punkten codiert. das bedeutet: die informationen werden nicht mehr durch die balkenbreite des codes definiert sondern durch die anordnung gleich großer punkte / pixel auf einer vordefinierten matrix. durch die einheitliche symbolgröße und dem vordefinierten symbol-abständen wurde das auslesen der informationen und das dekodieren deutlich vereinfacht und der code kompakter.
erstmals wurde auch ein komplexes verfahren zur fehlerkorrektur eingebunden, was mit dazu beitrug den linearen barcode zu verdrängen. dieser sog. 2d-matrix-code kann aufgrund seiner kontrastreichen darstellung vereinfacht mit kamera-scannern maschinell gelesen und elektronisch weiterverarbeitet werden.
zu dieser gruppe der 2d-matrix-codes gehört auch der qr-code.


QR steht für quick-response

- also 'schnelle antwort' oder 'schnelle reaktion'.
der qr-code wurde 1994 in japan von denso-wave entwickelt. der qr-code besteht aus einer quadratischen matrix mit schwarz / weißen pixeln. die kodierung der daten erfolgt binär. ein typisches merkmal dieser qr-codes sind die auffälligen markierung in den drei ecken, - diese deutlich erkennbaren quadrate, geben die orientierung für den scanner vor - ermöglichen das schnelle einlesen des codes (=qr) und sorgen mittlerweile, bei zunehmender verbreitung auch für einen hohen wiedererkennungswert.

und heute sehen wir diese qr-codes täglich auf anzeigen, in werbebroschüren und auf fahrzeugen. sie sind zu einem ganz normalen element in der werbung geworden.
aber auch in bereichen der kunst und der kultur beginnt man, ihre vorteile als informationsträger zu nutzen.
und genau in dieser funktion - als informationsträger, oder besser gesagt, als digitalen transmitter nutzen wir diese qr-codes nun erstmalig bei der gestaltung von grabsteinen !


grabstein / grabmal und internet

die idee, das tatsächliche grab, die vorhandene grabstätte mit internetbasierten inhalten zu verknüpfen stammt schon aus dem letzten jahrtausend !
im jahr 1999 wurde in schweden erstmals ein grabstein mit einer eingemeißelten internetadresse aufgestellt !
im jahr 2008 kamen dann die ersten meldungen aus japan, über die verwendung von qr-code-plaketten an grabsteinen, als direktlink in das internet. anfang 2011 wurde diese anwendung erstmals in den usa etabliert und so haben wir im frühjahr 2011 begonnen, qr-codes als digitale transmitter dauerhaft und witterungsresistent erstmals direkt in naturstein einzuarbeiten !


wandel in der trauerkultur

ein deutlicher indikator für die veränderung der 'sepulkralkultur' ist die mittlerweile rasant angestiegene kremierungsrate. die daraus resultierende 'mobilität der asche' ermöglicht bestattungsformen im wald, - auf der wiese, - auf hoher see, also all-überall ... und wenn doch noch eine begräbnis auf dem friedhof vor ort stattfindet - ja dann haben wir eine urnengrabstätte mit entsprechend kleinem umfang und mit entsprechend kleinem grabstein.
als 'grabmalschaffender' erkennen sie dann doch recht schnell - dass ihnen schlichtweg das material fehlt gestalterisch dem verstorbenen ein 'denkmal' zu setzen. in einem solchen fall, und unter berücksichtigung teils rigider vorgaben der friedhofssatzungen kann man wirklich nur noch den namen und die eckdaten des verstorbenen einmeißeln - das eigentlich 'gelebte leben' verschwindet im 'off' - ist an diesem 'schlussstein' nicht mehr ablesbar.


qr-code an grabstein / grabmal

diese idee, 'qr-code an grabmal' ist ein neuer ansatz, durch die integration einer 'zeitgemäßen technik' in die gestaltung eines grabmals einen mehrwert zu erstellen. also das tradierte friedhofsdenkmal mit einer vorhandenen und erprobten technik zu verbinden - und 'aufzuwerten' ! die verwendung eines 'digitalen codes' am grabstein / grabmal - auslesbar mit einem 'smartphone' - ist tatsächlich eine sinnvolle erweiterung und eine bereitstellung von informationen die deutlich mehr vermitteln, als die eingemeißelten kenndaten eines 'markierungssteines' auf einem urnengrab !
das war unsere ausgangssituation, unser ansatz und so haben wir - als steinmetz und bildhauer - nach einer möglichkeit gesucht das tradierte grabmal mit einem qr-code zu 'gestalten' - und somit zu erweitern.


qr-code in naturstein

sowohl 'der japaner', als auch in folge der 'amerikaner' graviert die verwendeten qr-codes in metallplaketten, die nachfolgenden an den grabstein geklebt werden. es war deutlich erkennbar, dass keine lösung existierte, den qr-code in einer ansprechenden form mit dem grabstein zu verbinden. dieses 'darankleben' war für uns unter gestalterischen aspekten ein gräuel - es galt, aus unserer sicht jedweden 'warenauszeichnungscharakter', der unweigerlich mit einem aufgesetzten oder 'darangeklebten' qr-code an grabstein entsteht, unter allen umständen zu vermeiden !
diese art der 'code-auszeichnung' banalisiert das grabmal - einer preisauszeichnung gleich, die leicht entfernbar, austauschbar und manipulierbar ist.
nicht nur aus friedhofssatzungskonformen erwägungen war es somit selbstverständlich für uns, eine lösung zu suchen, den qr-code direkt und somit dauerhaft in stein zu arbeiten.
dies ist uns gelungen und so erstellten wir im sommer 2011 - weltweit erstmalig - einen qr-code direkt in naturstein ! (grabstein für 'nerds')


gestalteter qr-code an grabstein / grabmal

mit diesen erfahrung konnten wir dann, in folge lösungen entwickeln die zu dem qr-grabstein führte, der als wettbewerbsbeitrag für den grabmal-ted 2012 realisiert wurde.
bei diesem qr-grabstein haben wir erstmals einen qr-code gestalterisch in einer kreuzform integriert, also eingebettet. aus der ferne betrachtet ist dieser (weltweit erste) 'embedded qr-code' nicht offensichtlich erkennbar. erst aus der nähe wird sichtbar, dass ein qr-code das zentrum dieses kreuzes dominiert und das grabmal mit dem internet verknüpft.
'diese arbeit stellt eine evolution des grabmals dar' - so ein zitat von michael gärtner, dem friedhofsbeauftragten der stadt nürnberg.
und tatsächlich überschreiten wir mit diesem qr-grabstein grenzen und begrenzungen - aber eröffnen eben dadurch auch neue möglichkeiten das grabmal als informationsträger zu erweitern, ohne es in frage zu stellen oder zu banalisieren. das grabmal 2.0 nutzt vorhandene technik in gestalteter form und ist im grunde nichts anderes als ein digitales pendant der 'sprechenden steine' die schon im 17. und 18.jahrhundert auf den nordseeinseln amrum und föhr verbreitung fanden. der qr-code dient als gestaltbares signet - mit dem wissen um seine funktion und der entsprechenden technik besteht die möglichkeit ein 'mehr' an informationen abzurufen - als durch symbol und schrift vermittelbar ist.

die verwendung eines gestalt- und integrierbaren qr-codes, bzw. eines 2d-matrix-codes ist derzeit eine probate möglichkeit das analoge friedhofsdenkmal mit digitalisierten inhalten zu verknüpfen. qr-codes gibt es seit fast 20.jahren und durch die zunehmende verbreitung, auch im kulturellen bereich (museen etc.) wird er daher in den kommenden jahren mit sicherheit bestand haben.


© auszugsweise - vortrag zum 'Deutschen Bestatterkongress 2012'





digitaler grabstein / digitales grabmal


kurzinfos + links


  • 1999
    erste versuche, den grabstein 'online zu stellen' - 1999 !
    "die vier kinder der schwedischen lehrerin anna-lena "moje" hashmi hatten ihrer mutter bereits 1999 ein virtuelles grab im internet gegeben mit einer kleinen fotogalerie, einer rezeptsammlung, einer liste ihrer lieblingsbücher und ihren speziellen haushaltstricks. damit jeder die seite finden konnte, ließen sie in den grabstein die internetadresse www.moje.pp.se einmeißeln."
    ... und was draus wurde: stuttgarter zeitung

  • 2008
    erster hinweis auf 'buddhistische grabsteine mit integriertem qr-code'
    video von 04/2008

  • 2010
    nfc-basierte techniken zur datenübertragung an grabmalen. 'rosettastone' - seit anfang 2011 auch mit qr-code.
  • skurril anmutende variationen mittels LCD-bildschirmen, erinnerungen 'am grabstein' zu platzieren. Epitaph

    seit 2010
    zunehmende aktzeptanz und verbreitung von qr-codes in printmedien und in der werbung. zunehmende verbreitung und nutzung von smartphones bei optimierter netzabdeckung in weiten teilen deutschlands.
    seit anfang 2011 posten 'blogs' und 'foren' verstärkt nachrichten über die verbreitung von qr-codes an grabsteinen - in den usa !
    quiring monuments aus seattle mit einem video: the living headstone

  • 2011
    erfolgreiche versuche qr-codes zu generieren und für den aussenbereich in einem dauerhaften material zu erstellen.
    qr-codes in naturstein ! - im gegensatz zu allen bisherigen anbietern die nur 'qr-code plaketten' in metall, glas, acryl oder keramik erstellen - und diese an den grabstein kleben oder einfügen.


    erster qr-code in naturstein - grabstein für 'nerds'.

    digitaler grabstein, QR-Grabstein oder grabstein 2.0
    Grabstein mit QR-Code - less is more ! QR-Grabstein für nerds !
    digitale grabsteine oder grabstein-online
    qr-code in naturstein - für die ewigkeit ! solang die server rauschen !

    weltweit kleinster qr-code in naturstein ! [test it !]


    digitaler grabstein, QR-Grabmal oder grabstein 2.0
    'kleinster' in naturstein erstellter qr-code
    digitales grabmal oder grabstein-online
    QR-Code in Naturstein

  • 2012
    erster 'embedded qr-code' als kreuzsymbol.
    (beitrag zu grabmal-ted 2012) grabmal-ted 2012

    erster qr-grabstein im öffentlichen raum. zdf.kultur

    erster qr-sockelstein auf einem friedhof in münchen. N24 - Pro7 - Kabel1






alle hier dargestellten abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. desweiteren unterliegen die hier dargestellten 'qr-grabsteine' sowie der 'qr-sockelstein' dem geschmacksmusterschutz des dpam.


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